Heute spreche ich mit der Ernährungswissenschaftlerin Marina Lommel.

Wir sprechen unter anderem über:

  • Was ist ketogene Ernährung überhaupt und was ist der Unterschied zwischen Low-Carb und Keto?
  • Gibt es Studien oder Beweise zur Wirkung der ketogenen Ernährung bei gewissen Krankheiten?
  • Warum der Mythos «das Gehirn braucht Zucker» so nicht stimmt?
  • Woher das Gerücht stammt, dass ketogene Ernährung gefährlich sein soll, welche Fehler man bei der ketogenen Ernährung machen kann und warum man Ketose nicht mit Keto-Azidose verwechseln darf
  • Wer sollte lieber keine ketogene Ernährung durchführen?
  • Warum man als schlanker Mensch zwischendurch dann auch wieder etwas mehr Kohlenhydrate essen sollte
  • Ob man sich als Vegetarier oder Veganer auch ketogen ernähren kann?
  • Und: wie du die ketogene Ernährung problemlos in deinem Alltag unterbringst

 

Ich freue mich sehr, heute ein Interview mit Marina Lommel zu führen. Marina hat Ernährungswissenschaft an der TU München studiert und hat dort ihre Abschlussarbeit über ketogene Ernährung gemacht. Neben dem Studium hat sie im deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen, dem Helmholtz Zentrum München, ausserdem hat sie beim Fernsehen und beim Lokalradio gearbeitet.

Nach ihrem Studium hat sie die Firma Foodpunk gegründet und heute, nach wenigen Jahren, ist das Unternehmen schon in Räumlichkeiten mit 200 Quadratmetern, mit Lager und 9 Mitarbeitern gezogen.

Roman und ich kennen Marina persönlich, wir haben schon an den gleichen Kongressen wie sie gesprochen wie zum Beispiel an der Paleo Convention und dem LCHF Kongress und wir freuen uns auch, dass wir seit ein paar Monaten mit Plänen von Foodpunk für unsere Kunden arbeiten. Und natürlich haben wir auch selber schon mit Hilfe eines Foodpunk Ernährungsplans die ketogene Ernährung für uns selber ausprobiert.

In diesem Interview erfährst du ganz viel über die Vorteile und Wirkungsweise der ketogenen Ernährung und Marina erzählt auch einiges aus ihrer eigenen Erfahrung und wie du so etwas im Alltag umsetzen kannst.

Was bedeutet ketogene Ernährung?

Grob ist das eine spezielle Form von kohlenhydratarmer Ernährung, mit dem Ziel in Ketose zu kommen. Das bedeutet, dass der Spiegel der Blutketone über ein bestimmtes Level hinwegkommt. Die Menge der Kohlenhydrate die wir dabei essen ist individuell.

Ist der Körper im Zustand der Ketose, verspürt man eine erhöhte Leistungsfähigkeit, man startet aktiver in den Tag und hat nachmittags nicht mehr so eine große Müdigkeit. All das ist am Anfang sehr ausgeprägt, später wird es dann irgendwann zum Normalzustand.

Außerdem hat man hier eine bessere Fettverbrennung. Dadurch, dass der Insulinspiegel immer sehr niedrig ist, können Fettzellen Fettsäuren freisetzen, die dann verbrannt werden können.

Zusätzlich hat man weniger Hunger. Leute, die abnehmen wollen, können also weniger essen, kommen aber nicht in den Zustand des Hungerns.

Aus medizinischer Sicht ist die ketogene Ernährung sehr vielversprechend bei Epilepsie. Dies ist bereits durch viele Studien, vor allem bei Kindern, belegt. Das liegt daran, dass bei der ketogenen Ernährung im Körper ähnliche Prozesse ablaufen wie beim Fasten.

Neuere Studien besagen, dass sie auch im Bereich Krebs, Alzheimer und Parkinson eine positive, heilende Wirkung haben kann.

 

Der Mythos «das Gehirn braucht Zucker»

Die Ketose hat einen Effekt auf viele Stoffwechselvorgänge und Vorgänge im Gehirn.

Marina sagt, dass der Mythos «das Gehirn braucht zwingend Zucker» absolut nicht stimmt. Gewisse Gehirnzellen verstoffwechseln tatsächlich lieber Glukose, aber Neuronen und Nervenzellen die wir zum Denken verwenden, können auch auf Ketone zurückgreifen.

Wenn man sich schon länger ketogen ernährt, ist der Körper gut ketoadaptiert. Das bedeutet, je besser der Körper gelernt hat mit Ketonkörpern umzugehen, umso besser funktioniert auch die Verstoffwechselung und ist somit effektiver.

Eine Veränderung der Verstoffwechselung geht nicht von heute auf morgen. Dazu braucht man etwas Zeit und Geduld.

 

Ist ketogene Ernährung gefährlich und welche Fehler kann man machen?

Oft wird Ketose mit der Keto-Azidose verwechselt, dies sind aber zwei unterschiedliche Dinge.

Die Keto-Azidose ist tatsächlich ein gefährlicher Stoffwechselzustand, der aber bei gesunden Menschen gar nicht vorkommen kann bzw. es ist nicht möglich diesen zu erreichen.

Bei gesunden Menschen triggert das vorhanden sein von Ketonkörpern im Blut eine gewisse Insulinausschüttung. Insulin ist der Gegenspieler von Ketonkörpern. Wenn Ketonkörper im Blut ansteigen, dann schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, was wiederum verursacht, dass ein paar Ketonkörper wieder über den Urin ausgeschieden werden. Dadurch wird automatisch die Waage bzw. ein gesundes Level gehalten.

Wenn das nicht mehr funktioniert, dann wird es gefährlich, wie z.B. bei Diabetikern Typ I oder Alkoholikern.

Viele Vorurteile kamen früher auch durch falsche Umsetzung auf. Ketogene Ernährung wurde nicht so schmackhaft zubereitet und wurde deshalb als nicht durchführbar angesehen bzw. nur bei Kindern eingesetzt. Irgendwann wurde es für einfacher gehalten ein Medikament zu nehmen. Dabei ist es doch eigentlich viel einfacher seine Ernährung umzustellen.

Natürlich gibt es auch Krankheiten, die man nicht nur durch Ernährung heilen kann. Andersherum ist es aber auch schwer gesund zu werden, wenn man dabei nicht auch die Ernährung umstellt.

Ketogen ist eine sehr mächtige Ernährungsform, bei der man viel falsch machen kann. Deshalb sollte man sich vorher gut informieren, weil man ansonsten schlimmeres Anrichten kann, nur weil man es nicht besser weiß.

Richtige Fettquellen und richtige Proteinquellen sind sehr wichtig, damit es auch gesund ist. Gesunde Menschen sollten es mindestens 1 bis 3 Monaten durchführen, um richtige Auswirkungen zu spüren. Anfangs hat man Umstellungsschwierigkeiten wie Müdigkeit und Kopfweh, aber erst ab frühstens 30 Tagen kann man beurteilen, ob es einem gut tut und dann gehen die ersten Nebenwirkungen auch wieder weg.

 

Wer sollte lieber keine ketogene Ernährung durchführen?

Gut ist sie für stark übergewichtige Menschen, weil sie eine wahnsinnig erfolgreiche Wirkung in kurzer Zeit hat.

Bei sehr schlanken Leuten findet sie oft weniger gute Ansprache. Das liegt daran, dass sie gewichtsnormalisierend wirkt. Also sehr Schlanke können evtl. davon etwas zunehmen. Der Körper geht dann zu einem gesunden Gewicht, was nicht immer das optische Modell Gewicht ist. Wenn man dazu sehr viel Kraftsport macht, sollte man nach ca. drei Monaten darüber nachdenken, ob man abschnittsweise wieder mehr Kohlenhydrate zuführt, auch um das Hormon Leptin wieder zu produzieren.

Menschen die zunehmen möchten, sollten darauf achten, dass sie mehr Energie bzw. mehr Kalorien zuführen. Meistens haben sie in dem Fall automatisch mehr Appetit auf Fett. Dann kann ketogene Ernährung bewirken, dass das Gewicht auf einen gesunden Wert ansteigt.

In der Schwangerschaft und Stillzeit eignet es sich grundsätzlich nicht etwas Neues zu beginnen. Streng ketogen würde Marina nicht empfehlen, aber jeder Fall ist auch hier individuell zu besprechen.

Außerdem würde Marina die ketogene Ernährung nicht empfehlen für Kinder die im Wachstum sind, es sei denn, dass es medizinisch erforderlich ist. Bei epileptischen Kindern, die sehr streng ketogen ernährt wurden, hat man beobachtet, dass es zu Wachstumsdefiziten führen kann. Hier muss man dann abwägen, was wichtiger ist in dem Fall. Und Medikamente haben auch Nebenwirkungen.

 

Ketogene Ernährung für Vegetarier und Veganer

Gemüse gehört bei ketogener Ernährung auch unbedingt dazu.

Aus sozialen Gesichtspunkten hat Marina Respekt davor, wenn sich jemand dafür entscheidet kein Fleisch zu essen. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht findet sie es nicht ganz optimal. Einige Komponenten im Fleisch (wie z.B. B12) bzw. tierisches Protein sind hin und wieder empfohlen.

Als Vegetarier lässt sich ketogene Ernährung einfacher umsetzen, als als Veganer. Man kann hier z.B. auf Eier oder fettreiche Milchprodukte zurückgreifen.

Veganer holen sich ihre Proteine oft über Hülsenfrüchte. Die sind aber für die ketogene Ernährung zu kohlenhydratreich. Eine Alternative sind verschiedene vegane Proteinpulver, wie z.B. Mandelprotein. Diese sollte man auch verwenden, um auf mindestens 50g Protein am Tag zu kommen, damit der Muskelerhalt gesichert ist.

 

Wie du ketogene Ernährung in deinen Alltag integrieren kannst

Es braucht natürlich etwas Übung, aber mit der Zeit geht es genauso gut wie normale Ernährung. Am Anfang helfen einem ein Plan und Rezepte, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Fett man nehmen sollte, welche Proteinmenge man braucht, etc.

Nach und nach bekommt man dann ein besseres Gefühl dafür, was man in welcher Menge essen kann, um in Ketose zu bleiben. Der Körper gewöhnt sich daran und entwickelt eine gewisse Toleranz (wenn man gut ketoadaptiert ist). Dann kann der Körper länger in der Ketose drinbleiben bzw. kommt schneller wieder rein.

Natürlich muss man schon genau schauen wo man essen geht und kann nicht einfach z.B. zu Mc Donalds gehen, sondern wählt vielleicht einen guten Burgerladen und lässt z.B. das Brötchen weg, nimmt noch etwas extra Guacomole etc. Man findet auf jeden Fall seinen Weg und vor allem wenn man merkt, wie gut es einem dabei geht und dass es sich lohnt.

Selbst bei Leuten die sich sonst gesund ernähren hat es große Auswirkungen. Vor allem auf den Schlaf, die Müdigkeit und die Regeneration. Irgendwann entwickelt man sogar so etwas wie eine kleine Sucht nach diesem guten Gefühl.

 

Über Marinas Arbeit

Marina ist die Gründerin der Firma Foodpunk. Gestartet ist sie damals mit einem Blog, in dem sie ihr Wissen leicht verständlich raus bringt und verbreitet. Hier geht es um ketogene Ernährung, Paleo, Low Carb etc. und deren Unterschiede.

Nachdem Marina immer öfter von Leuten nach Ernährungsplänen gefragt wurde, hat sie angefangen auch diese zu entwickeln und anzubieten.

Auf Foodpunk bekommst du individuelle Ernährungspläne inkl. Mahlzeiten-Aufbau, Mengen usw. für 30 Tage. Mit dessen Hilfe schafft man einen Einstieg und bekommt ein Gefühl für die neue Ernährungsweise. Außerdem wir man betreut durch Fachpersonen wie Marina selbst, von einer Lebensmitteltechnikerin, einer Ernährungswissenschaftlerin und einer Biochemikerin.

Ein Plan hilft am Anfang ungemein und nimmt den Stress weg. Irgendwann erarbeitet man sich darüber die Freiheit selber seine Rezepte zu entwickeln.

In Zukunft wird es auch eine App geben, mit der man z.B. eine Einkaufsliste führen und Rezepte verschieben und vervielfältigen kann, damit es immer einfacher wird die ketogene Ernährung umzusetzen.

 

Das war also unser Interview, bestimmt hast du Marinas Begeisterung für die ketogene Ernährung gespürt und vielleicht hat dich die Wirkung auf das Energielevel und Wohlbefinden auch beeindruckt und dazu inspiriert, das selber einmal auszuprobieren.

Ganz neu ist übrigens das Buch Der Keto Kompass erschienen, an dem Marina mitgeschrieben hat, zusammen mit Ulrike Gonder, Julia Tulipan und Brigitte Karner.

 

Links zur Folge:

Der erwähnte Film “First Do No Harm” mit Meryl Streep

Der Foodpunk Blog

Zu den Foodpunk Ernährungsplänen

Die Bücher von Marina:

Low Carb typgerecht (Südwest), erschienen 2017

Low Carb typgerecht Express (Südwest), erschienen 2018

Keto Kompass (Systemed, Mit Ulrike Gonder, Rezeptteil)

– Schlank mit Keto (Südwest), erscheint im Dezember

 

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