Heute präsentiere ich dir einen Gastbeitrag und Erfahrungsbericht von Kendra Gettel. Beim Lesen ihres Artikels hatte ich echt Tränen in den Augen, so berührt hat mich das. Ich wünsche mir sehr, dass diesen Artikel ganz viele Menschen und vor allem auch viele Eltern lesen. Denn einer der ganz grossen Gründe, weshalb ich diesen Blog hier betreibe ist, dass ich die Botschaft um die Wirkung von Nahrung auf unsren Körper, unseren Geist und unsere Seele, also unser ganzes Sein, an die breite Öffentlichkeit bringen möchte.

Hier kommt Kendras Erzählung, wie ihre Tochter sich vom Trotzkind zum Engel gewandelt hat:

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Ein schwieriger Start

Das Leben mit unserer Tochter war die ersten 3 ½ Jahre alles andere als einfach.

Kurz nach ihrer Geburt fing sie an, täglich einmal ungefähr eine Stunde lang zu schreien – ohne ersichtlichen Grund. Unser Kinderarzt und andere versicherten uns, das sei völlig normal und wir hätten noch lange kein „Schreikind“ – was nichts daran änderte, dass wir vollkommen gestresst dadurch waren.

Im Alter von etwa 4 Monaten kamen Schlafprobleme hinzu. Unsere Kleine konnte einfach schlecht einschlafen. Sie schlief nicht, wenn man sie hinlegte, sondern sie musste lange getragen oder gestillt werden. Und wenn sie einmal schlief, wachte sie kurz darauf wieder schreiend auf. Unsere tägliche Abendroutine bestand darin, sie ins Bett zu bringen und dann ungefähr alle zwanzig Minuten unser wieder aufgewachtes und schreiendes Kind zu beruhigen. Auch nachts wachte sie häufig auf, weinte und beruhigte sich nur durch Stillen wieder.

Mein damaliger Mann vermutete schon früh, sie hätte ein Problem mit ihrer Verdauung, was von ärztlicher Seite allerdings als unwahrscheinlich aufgefasst und nicht weiter verfolgt wurde.

Keine Hilfe in Sicht

Ich muss vielleicht nicht erwähnen, dass es eine äußerst anstrengende und Nerven zermürbende Zeit war. Wir suchten Hilfe bei verschiedenen Stellen, doch die Botschaft war fast immer dieselbe: Es läge an uns. Weil wir, respektive ich, die Kleine in den Schlaf stillten, weil wir ihr nicht genug Struktur und Regelmäßigkeit böten etc. etc.

Ich fand das seltsam, denn auch andere Mütter aus meinem Bekanntenkreis stillten ihre Kinder in den Schlaf, und diese Kinder schliefen dann trotzdem den größten Teil der Nacht friedlich. Im Nachhinein sage ich: So eine blöde Auskunft!

Genauso mit „Regelmäßigkeit und Struktur“. Unsere Tochter wachte bis zu zehn Mal (!!!) die Nacht schreiend auf. Meistens fielen wir am frühen Morgen dann noch einmal in einen längeren Schlaf von 1 ½ – 2 Stunden. Ich nahm jede Minute Schlaf mit, die ich kriegen konnte, egal wann. Das war einfach überlebensnotwendig.

Das Bestehen darauf, auf gewisse „Zeiten“ zu achten, die meine Tochter trotz aller Bemühungen sowieso nicht einhielt, konnte wohl nur von Menschen kommen, die so etwas noch nie erlebt hatten. Ich versuchte es einige Wochen lang, was darauf hinauslief, dass ich den halben Tag damit beschäftigt war, sie zu bestimmten Zeiten irgendwie zum Schlafen zu bekommen. Vergeblich. Es ging einfach nicht.

Ein angeblich normales Kleinkind

Wir schoben es einige Monate lang auf das Zahnen, doch schließlich waren alle Zähne da, und unser Kind schlief weiterhin schlecht.

Ein weiteres Merkmal von ihr war, dass sie überaus bewegungsfreudig war und fast nie stillsaß – außer bei nicht allzu langen Strecken im Kinderwagen. Sie war dauernd in Bewegung, und gleichzeitig oft übermüdet, dann weinerlich. Klar – sie schlief ja vermutlich viel zu wenig!

Nun gut, wir sagten uns, unser Kind sei eben so. Wahrscheinlich würde sie einmal Sportlerin oder Zirkusakrobatin. Und manche Menschen brauchen einfach wenig Schlaf – vielleicht gehörte sie dazu?

Die Situation besserte sich, als mein Mann und ich uns trennten.

Unsere Tochter verbrachte abwechselnd einige Nächte die Woche bei mir und das Wochenende bei ihm. So konnte jeder von uns wieder ab und zu durch – und ausschlafen!

Tagsüber war sie weiterhin extrem aktiv. Und sie hatte mehrmals täglich Wut- und Schreianfälle, meistens, wenn sie etwas nicht bekam, was sie wollte. Auch ich erlebte einige klassische Szenen im Leben einer Mutter, wie das Kind, das sich an der Supermarktkasse schreiend auf den Boden wirft, weil es etwas will und die Mutter dazu „Nein!“ sagt. Wenn wir vom Einkaufen nach Hause kamen, und ich sie nicht die Treppe hochtragen wollte (weil ich außer ihr noch 5 schwere Einkaufstaschen dabeihatte), schrie sie. Wenn ich links gehen wollte und sie rechts, hatten wir eine Szene.

Auch da dachten wir, das sei normal, die „Trotzphase“ eben. Da muss man eben durch, oder? Gleichzeitig waren wir auch stolz auf unser „willensstarkes“ Kind. Wahrscheinlich war sie einfach eine geborene Führungspersönlichkeit?

So waren wir zwei ziemlich erschöpfte Eltern mit einem angeblich total normalen Kleinkind. Bis ich eine Entdeckung machte.

Eine erstaunliche Entdeckung

Kurz vor Weihnachten 2014 stieß ich durch Zufall auf „Failsafe“. Failsafe ist ein hierzulande quasi unbekanntes Ernährungsprogramm aus Australien, und ich wurde darauf aufmerksam, weil irgendwo einen Hinweis auf „schlecht schlafende Kinder“ las.

Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, dass Kinder, die nachts schlecht schlafen und dauernd schreiend aufwachen, sehr häufig unter einer so genannten Salicylatunverträglichkeit leiden. Salicylate? Nie gehört!

Ich las weiter: Salicylate kommen in fast allen Obst- und Gemüsesorten vor, in Olivenöl, Nüssen, Tee, Kaffee. Davon konsumierten wir reichlich (abgesehen von Kaffee), da wir auf gesunde Ernährung wert lagen.

Dann gab es noch andere Stoffe, die häufig gesundheitliche Probleme, Verhaltensstörungen und auffälliges Schlafverhalten mit sich brachten: Konservierungs- und Zusatzstoffe, Farbstoffe, Glutamate und Amine. Failsafe schlägt eine dreiwöchige Eliminierungsdiät vor, während derer man all diese Stoffe weglässt und prüft, ob sich beim Kind irgendetwas verändert.

Das Unfassbare

Ich entsorgte kurzerhand innerhalb von wenigen Tagen den größten Teil unserer Nahrungsmittelvorräte, kaufte das, was nach Failsafe erlaubt war, und setzte unsere Tochter auf Diät.

Es dauerte genau 2 ½ Tage, bis das Unfassbare geschah:

Unsere Kleine ( damals 3 Jahre und 4 Monate) war auf einmal ganz ruhig. Sie hörte auf, ständig in der Gegend herumzuwuseln. Sie wollte viel öfter Bücher angucken und malen. Sie schlief abends schneller ein. Und die Wut- und Schreianfälle hörten auf!

Ein leichteres Leben beginnt

Das Leben mit ihr wurde viel einfacher. Nach dem Einkaufen stieg sie selber die Treppe hoch. Ihre Sprachentwicklung machte einen Sprung. Ihr Einnässen hörte schlagartig auf. Wenn ich „Nein“ zu etwas sagte, gab es meistens keinen Protest. Keinen Stress. Nichts!

Ihr Schlafverhalten war immer noch nicht optimal – sie wachte auch weiterhin nachts öfters in der Nacht auf und weinte. Aber tagsüber war sie einfach ein anderes Kind.

Die Testphase mit schockierenden Ergebnissen

Nach circa zwei Monaten machten wir die von Failsafe vorgeschlagenen Tests, um herauszufinden, auf was unser Kind denn nun genau reagierte. Zuerst probierten wir Amine aus (unter anderem in Schokolade, Bananen und Fisch). Das Ergebnis war schockierend: Sie wurde zunehmend weinerlich und anhänglich und hatte immer öfter Schreianfälle.

Nach drei oder vier Tagen warf sie sich aus nichtigen Anlässen mehrmals täglich auf den Fußboden und weinte und schrie – bis zu einer Stunde lang. Wenn wir wissen wollten, was los war, konnte sie es uns nicht sagen. Nach einer Weile wollte sie dann meistens „Film gucken“, uns es gab eine weitere Eskalation, wenn wir das ablehnten. Als ihre Freundin zu Besuch kam, spielte sie nicht mit ihr, sondern nahm ihr jegliches Spielzeug ab und schlug sie.

Nach ca. 10 Tagen hatten wir genug von diesem Experiment und führten wieder striktes Failsafe ein. 2 Tage später war alles wieder normal!

Die Unruhe kommt zurück

Dann der Salicylattest: Wir gaben unserer Kleinen endlich wieder ihre heißgeliebten Äpfel und dazu diverse andere Gemüse, Olivenöl und Gewürze. Auch diesmal wurde sie zunehmend weinerlich und frustrationsintolerant. Und wieder war sie 2 Tage nach Wiedereinführung von Failsafe normal.

Wir hielten uns also wieder strikt an die Diät, doch gegen Ende des Frühjahrs wurde ich nachdenklich. Immer öfter schien es, als käme die alte Unruhe wieder, obwohl wir uns ganz genau an die Vorschriften hielten. Außerdem nervte es mich zunehmend an, so eingeschränkt in unserer Lebensmittelauswahl zu sein.

Eine neue Hoffnung: GAPS

Über eine Facebookgruppe betroffener Eltern wurde ich dann auf „GAPS“ aufmerksam, das Buch der Ärztin Natasha Campbell-McBride. Hier findest du das GAPS Buch*. Sie schildert Nahrungsmittelunverträglichkeiten als eine Folge einer gestörten und durchlässigen Darmflora, die bestimmte Stoffe nicht richtig abbaut. Diese nicht richtig verdauten Stoffe können dann im Körper sowohl Verhaltensauffälligkeiten wie auch gesundheitliche Probleme verursachen.

Wie Campbell-McBride, deren eigener mit Autismus diagnostizierter Sohn durch eine Ernährungsumstellung und Darmsanierung wieder völlig gesund wurde, weiter ausführt, liegt das Hauptproblem in der Aufnahme von gewissen Zuckern und Stärkearten. Diese werden bei einer gestörten Darmflora vom Darm nicht mehr verdaut, sondern dienen nur noch als Nährmedium für pathogene Darmkeime, Pilze und Parasiten. Dieses Problem verschlimmert sich mit der Zeit, solange diese Zucker- und Stärkearten weiter in der Ernährung vorhanden sind und nicht genügend „gute“ Darmbakterien vorhanden sind, um die „schlechten“ in Schach zu halten.

Und, so die Autorin weiter, hier liege auch der Schlüssel dafür, warum viele Menschen mit der Zeit immer mehr Nahrungsmittelunverträglichkeiten bekommen, da sich das Ungleichgewicht im Darm immer weiter vergrößere, wenn man nicht aktiv etwas dagegen tut.

Ich musste sofort an unsere Tochter denken, die trotz Failsafe wieder dieselben Unruhesymptome zeigte wie früher. Das Ganze leuchtete mir total ein, und noch einmal stellte ich innerhalb von Tagen unsere Ernährung um.

Die komplette Ernährungsumstellung

Jetzt lautet unser Motto: Kein Zucker und keine Stärke, dafür viel gesunde Fette, Gemüse, probiotische Lebensmittel und Probiotika. Anstatt Haferflocken mit Reismilch (wie zu Failsafe-Zeiten) gibt es zum Frühstück Rührei mit Gemüse.

Anstatt Kartoffeln, Nudeln und Reis gibt es Linsen. Schwarze, braune, rote, gelbe… Auf Brot können wir gut verzichten, für alle Fälle habe ich eine stärke- und zuckerfreie Variante aus Cashewkernen, Eier und Butter im Gefrierschrank.

Die Umstellung verlief in unserem Fall relativ problemlos. Die ersten Tage wollte unsere Kleine weiter ihre geliebten Haferflocken, doch schon bald akzeptierte sie das Alternativangebot, und Linsen gehören jetzt mit zu ihrem Lieblingsessen.

Was wir seitdem erlebt haben, treibt mir immer wieder Tränen der Freude und Dankbarkeit in die Augen.

Eine sprachlose, stolze und glückliche Mutter

Schon einige Tage nach der Umstellung stellten wir fest, dass sie kleine Mengen vorher unverträglicher Obst- und Gemüsesorten wieder ohne Reaktion essen konnte.

Ein paar Erdbeeren oder ein halber Apfel machen jetzt nichts mehr – wobei wir Obst stark limitieren, weil es zuckerhaltig ist. Genauso kann sie wieder Gurken und Möhren essen. Paprika. Auch Olivenöl und Fisch bleiben ohne Folgen.

Ist das nicht genial?

Sie ist nun im Normalfall gut gelaunt, ausgeglichen und kooperativ. Sie nimmt zu und hat einen gewaltigen Appetit. Sie liebt Salat.

Und das Beste: Wenn andere Menschen ihr etwas Süßes oder sonst wie „Unerlaubtes“ anbieten, lehnt sie ab!

Gerade erzählte mir ihr Vater, dass sie sich in den Ferien mit ihm im Restaurant anstatt für Erdbeerkuchen für Roastbeef entschied. Und als ich neulich mit ihr und meiner Familie essen war, sagte sie: „Mama, ich will Salat und Tomate und Gurke!“ (Die ebenfalls gewünschten Spaghetti konnten wir einvernehmlich durch Putensteak ersetzen.) Am Hochzeitsbuffett meines Bruders suchte sie sich – ohne mein Zutun – Tomaten, Gurken, Paprika und Guacamole aus UND LIESS BAGUETTE, KARTOFFELN UND TEIGWAREN UNBEACHTET!

Ich bin sprachlos. Und stolz. Und glücklich. Mein Eindruck ist, dass ihr Körper wieder instinktiv spürt, was ihm gerade guttut und was nicht. Als sei ein Bann gebrochen – der „Zuckerbann“.

Der Alltag

Zugegebenermaßen stehe ich viel in der Küche und gebe mehr Geld als früher für unsere Ernährung aus. Ich kaufe nach wie vor fast nur aus biologischem Anbau und bereite alles frisch zu.

Für Kindergeburtstage habe ich mit großem Erfolg Muffins aus Cashew, Kokos, Eiern, Butter, Vanille und ein klein wenig Banane kreiert, mit in Butter pürierten Erdbeeren als Glasur. Unsere Kleine ist dann stolz auf den „pinken Kuchen“, den ihre Mami extra für sie gebacken hat (oder wir beide zusammen) und hat kein Problem damit, auf die anderen Sachen zu verzichten. Aber was heißt Verzicht: Dieses Rezept ist so verdammt lecker, dass mir eher die anderen leidtun!

Das mit Schlafen könnte noch besser werden, aber insgesamt geht es in eine gute Richtung.

Auch die Mama profitiert

Und noch etwas: Seit Einführung von GAPS, was ich natürlich auch mitmache (a, weil ich es gegenüber meiner Tochter unfair fände, wenn sie uns beim Nudelessen zugucken muss und b, weil ich es mir sicher auch nicht schadet!) hat sich meine Haut innerhalb von wenigen Wochen um geschätzt fünf Jahre verjüngt. Ich sehe gut aus und fühle mich auch so. Ich bin begeistert!

Der Wunsch für andere Eltern

Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Eltern diese Informationen finden und dadurch ein besseres Leben mit ihren Kindern haben. Ich glaube nicht mehr daran, dass ein katastrophales Schlafverhalten und ständige Wut- und Schreianfälle „normal“ sind.

Natürlich ist mein Kind auch mal wütend oder weint wegen irgendetwas, aber Häufigkeit, Intensität und Dauer solcher Vorfälle haben signifikant nachgelassen. Als mir kürzlich eine Freundin von ähnlichen Episoden mit ihrem Kind berichtete und mich fragte, was ich in solchen Situationen mache, stellte ich amüsiert fest, dass ich dieses Problem quasi nicht mehr habe. Hurra!

Und ich kann auch ganz genau sagen, seit wann: Seit dem Tag, als wir Zucker und Stärke aus unserer Ernährung verbannten!

Kendra Gettel

 

Über die Autorin

ErnährungsumstellungKendra Gettel ist Mutter einer vierjährigen Tochter und lebt und arbeitet mit ihrem Partner in der Nähe von Basel. Beruflich unterstützt sie Frauen, glückliche und erfüllte Beziehungen zu ihren Männern zu leben.

Auf ihrem Blog unter www.kendragettel.de teilt Kendra Gettel viele praktische Anleitungen zum Lösen von Konflikten und dem Umgang mit Gefühlen und berichtet ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen.

Du bist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen!

 

 

Kendra und ich freuen uns sehr über deine Kommentare, Fragen und eigenen Erfahrungsberichte. Kannst du dir vorstellen, dass eine Ernährungsumstellung so weitreichende Folgen haben kann? Was glaubst du, wie hätte sich Kendras Tochter weiterentwickelt, wenn sie die Ernährung nicht umgestellt hätte? Was wirst du an deiner Ernährung ändern, nachdem du dies hier gelesen hast? 

 

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