Heute habe ich wieder einen Gastartikel für dich, und zwar einen persönlichen Erfahrungsbericht von Nora Hodeige. Sie litt 5 Jahre lang unter permanentem Schwindel, und trotz zahlreicher Untersuchungen kam die Schulmedizin bloss zur Diagnose „das ist alles psychisch“. Wie sie die Ursache ihrer Beschwerden fand und wie’s ihr heute geht liest du in diesem spannenden Erfahrungsbericht.

HistaminintoleranzMein Ziel mit diesen Berichten ist, dir zu zeigen, welch grossen Einfluss unsere Nahrung auf unser Wohlbefinden haben kann. Und dir Mut zu machen, dass auch du eine Lösung für deine unerklärlichen Sympotme finden kannst!

Viel Spass beim Lesen, und am Ende des Artikels hast du die Gelegenheit, Nora und mir Rückmeldungen zu geben oder Fragen zustellen. Wir freuen uns auf die Diskussion!

Die Diagnose oder das Heimkommen nach einer anstrengenden, langen Reise

Ich habe eine Histaminintoleranz. Diese Aussage stößt im besten Fall auf unwissende Augen, meistens aber auf große Skepsis. Was ist das Histamin? Und wie äußert sich das?

Sogar viele Ärzte schauen skeptisch und haken diese Information unter „das ist alles psychisch“ ab.

Doch tatsächlich kämpft ca. 1% der Bevölkerung mit einer Histamintoleranz (HIT), von denen einige ganz sicher undiagnostiziert leiden. Viele Menschen bemitleiden mich, weil ich nun „gar nichts mehr“ essen könne, aber für mich fühlt sich die Diagnose Histaminintoleranz immer noch wie das Heimkommen und Durchatmen nach einer wirklich langen und sehr anstrengenden Reise an.

Die Odyssee beginnt

Alles begann mit dem Schwindel. Vor 5 Jahren trat er in mein Leben und ließ sich nicht mehr abschütteln. Der Schwindel war mein täglicher Begleiter, nur in den Stunden, in denen ich schlief, konnte ich ihn nicht fühlen.

Sobald ich erwachte, war er wieder da. Mein Bett fühlte sich an als läge ich auf einem Schiff, der Boden schaukelte kontinuierlich hin und her. Dieses Gefühl war besonders unangenehm beim Laufen, denn wenn der Boden sich wie auf hoher See bewegt, aber eigentlich still steht, dann kann das zu einigen mentalen Verwirrungen führen. Deswegen hat man mich auch zum Neurologen geschickt und zum MRT und zu einem Ohrenspezialisten, der meinen Gleichgewichtssinn testete – oh je, war mir danach schwindlig!

Untersuchungen und Stressreduktion führen zu keinem Ergebnis

Mehrere EKGs wurden gemacht, denn mein Herz begann zu stolpern, gleich nach dem Schwindel, es gab Tage, da rannte es, es klopfte laut und schien zu protestieren. Nur gegen was?

Ich reduzierte Stress, ging nicht mehr zur Uni, mied Menschenansammlungen, traf meine Freunde nur noch selten, trank viel Alkohol, obwohl er mir überhaupt nicht bekam, versuchte zu ignorieren, was doch für alle Ärzte offensichtlich war: Das ist psychisch! Sagten sie unisono, denn körperlich finden konnten sie nichts. „Sie sind gesund“, sagten sie dann und entließen mich, doch ich fühlte mich mit jedem Tag schlechter.

Die Diagnose bringt endlich Klarheit

Nach vielen Monaten, in denen ich einerseits viel zu viel und an manchen Tagen überhaupt nichts mehr aß, schaffte eine Blutuntersuchung endlich Klarheit: Histaminintoleranz. Das histaminabbauende Enzym DAO war verschwindend gering und meine Ernährung wurde umgestellt. Von diesem Tag an hieß es für mich histaminfrei essen und leben.

Endlich hatte ich einen Plan, an den ich mich halten konnte und musste nicht mehr alles „ausprobieren“.

Das hieß für mich im Klartext: Kaffee und Alkohol hatte ich schon lange eingestellt, Erdbeeren, Tomaten, Käse, Hefe und Spinat mussten weichen. Gewürzmischungen waren schwierig und Schinken verursachte Atemnot, am besten kam ich damit klar, alles frisch, mit Salz und Olivenöl gewürzt, zuzubereiten – und mich streng an die histaminfreie Ernährung zu halten. Was in dieser Situation nun wirklich kein Problem ist.

Von einem Tag auf den anderen wieder glücklich

Und der Schwindel verschwand – so schnell und plötzlich wie er aufgetaucht war. Nach einem Jahr voller Panikattacken, dauerhaftem Schwindelgefühl, voller Zagen, Zaudern und Verzweifeln, war ich plötzlich am Ende meiner Reise angelangt – und fühlte mich von einem Tag auf den anderen endlich wieder glücklich.

Ich habe gelernt, dass die HIT mich wohl schon einige Zeit in meinem Leben begleitet. Symptome wie: Migräne, Hormonschwankungen, starke PMS, Verdauungsbeschwerden, zahlreiche andere Unverträglichkeiten bzw Sensibilitäten gegen Lebensmittel, rote Flecken nach dem Genuss von Rotwein, starke Bauchkrämpfe, Koffeinunverträglichkeit, Kreislaufbeschwerden bei Hitze, sensible (Kopf-)Haut und und und.

Wie erkennst du eine Histaminintoleranz?

Die Symptome einer Histaminunverträglichkeit sind unglaublich vielfältig, weswegen es auch so schwierig ist, eine Diagnose dazu zu stellen. Ein Anhaltspunkt kann ein Bluttest oder besser noch ein Stuhltest geben, bei dem der DAO Wert sowie der Histamin Wert gemessen werden. Zudem sollten Vitamin B6, Zink, Selen und Vitamin D überprüft werden, da diese bei HIT häufig unterversorgt sind.

Einen wirklich guten Ansatzpunkt bietet ein Ernährungstagebuch, in das jeden Tag geschrieben wird, was gegessen wurde und ob danach (der Zeitraum kann sich bis zu 5 Stunden ausweiten) Beschwerden auftraten. Dazu ist es ratsam, sehr selektiv zu essen, nicht zwischendurch zu snacken und die Gerichte selbst zu Hause zuzubereiten, denn dann kann man sicher sein, dass keine Zusatzstoffe verwendet werden (schon jodiertes Salz kann Probleme bereiten).

Am Ende steht die Dankbarkeit

Heute, nach zahlreichen Entgiftungskuren und histaminarmer Ernährung geht es mir wieder gut, ich fühle mich gesund, bin gerade frisch Mutter geworden und habe daran gearbeitet, mit Stress besser umzugehen. Auch habe ich gelernt, meinem Körper zu vertrauen, denn er hat mir in diesen schwierigen Monaten doch auch einiges klar gemacht und mir gezeigt, was mir wirklich gut tut.

Zum Beispiel: Innehalten und das Leben genießen, anstatt gehetzt immer weiter zu rennen. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Nora Hodeige

 

Über die Autorin

hodeige_nora_autorinnenbild-300x300Nora hat schon einige Unverträglichkeiten durchgestanden, die Histaminintoleranz ist ihr (erst mal) geblieben. Trotzdem glaubt sie fest daran, dass mit einer Ernährungsumstellung und gesunden Lebensweise (fast) jeder Körper wieder auf die richtige Bahn gebracht werden kann.

Auf ihrem Blog Leben mit Ohne schreibt Nora sehr persönlich über ihr Leben mit Histaminintoleranz, teilt histaminfreie Rezepte und gibt Gesundheitstipps weiter, die sie im Laufe der Jahre ausprobiert und gesammelt hat.

 

Nora und ich freuen uns, in den Kommentaren von dir zu hören! Hast du auch schon einmal den Verdacht gehabt, dass deine Beschwerden mit der Ernährung zu tun haben könnten? Hast du selbst schon einmal den positiven Effekt einer Ernährungsumstellung gespürt? Oder hast du Fragen zu Histamin und Histaminintoleranz? Dann schreib uns gerne!

[woocommerce_my_account]