Nach Teil 1 zum Thema Histamin freue ich mich, dir hier den zweiten Teil des Artikels von Dr. Alexander Loos präsentieren zu dürfen. Viel Spass beim Lesen!

Was essen und was tun bei einer Histaminintoleranz?

Bei einer Histaminintoleranz nehmen wir über die Auswahl der Nahrung Einfluss auf die Stärke unserer Beschwerden.

Die drei Einflussfaktoren:

  1. die Menge der Aufnahme aus histaminhaltiger Nahrung
  2. die Menge der Freisetzung durch Histaminliberatoren (z. B.Erdbeeren, Gluten, Kasein)
  3. das Blockieren des Enzym Diaminooxidase über Alkohol und Medikamente

Die gleiche Mahlzeit – unterschiedliche Reaktion?

Leider erleben Betroffene oft eine für sie nicht mehr nachvollziehbare Situationen. Sie hatten letze Woche eine Mahlzeit aus Salat mit Fisch und danach keinerlei Beschwerden. Eine Woche später das scheinbar gleiche Essen und nichts mehr stimmt, die Nase ist wieder zu, verbunden mit Juckreiz. Sie verlieren wieder die Orientierung, was geht denn überhaupt noch?

Zur Wiederholung: Biogene Amine (wie Histamin) entstehen im Stoffwechsel aus Aminosäuren. In diesem Fall wird aus der Aminosäure Histidin das Histamin (über die Decarboxylierung = aus einem Aminosäuremolekül wird ein Kohlenstoffatom abgespalten) und aus der Aminosäure Tyrosin wird Tyramin (z.B. beim Rotwein). Durch diesen Abspaltungsprozess werden aus Aminosäuren hoch aktive Substanzen, die im Zellstoffwechsel eingebunden sind. Sie werden zu Signalstoffen wie Hormonen, Neurotransmittern und Mediatoren (bei Entzündungen).

Zurück zur Mahlzeit mit Salat und Fisch, eine Woche ging es, dann wieder nicht? Warum?

Die Frische der Nahrungsmittel ist entscheidend

Histamin in der Nahrung geht meist auf bakterielle Verunreinigung zurück. Die Bakterien brauchen Eiweiß (z.B. Fisch, Fleisch, Käse), den Faktor Zeit und Temperaturen zwischen 5 und 65 Grad. (Unter idealen Bedingungen kann sich eine Bakterie ungefähr alle 20 Minuten durch Zellteilung verdoppeln. Dies bedeutet ungefähr eine Verzehnfachung in einer Stunde, in zwei Stunden sind es schon etwa 100 Mal mehr). Natürlich enthält das Eiweiß des Fisches nicht nur die Aminosäure Histidin (sondern auch Valin, Methionin u.a.).

Wenn Sie nun aber auf Histamin am stärksten reagieren, müssen Sie bei obigem Beispiel über Folgendes nachdenken: Haben Sie das erste Essen selbst zubereitet, aus ganz frischen Zutaten? Die Kühlkette wurde nicht unterbrochen, Sie haben gleich gegessen und nichts aufgewärmt? Nun hatten die Bakterien kaum Zeit aus dem Histidin ein Histamin zu basteln und Wein haben Sie auch keinen dazu getrunken.

Was aber wissen Sie über Zubereitung, Zusatzstoffe, Lagerung und Alter der Lebensmittel in einem Lokal, am Büfett, in der Kantine?
Wie lange hat es wo gelegen? Wurde es vorgekocht, aufgewärmt, warmgehalten? Oder Sie kaufen einen „Salat to go“, die Tasche steht im warmen Auto, später irgendwo am Arbeitsplatz und plötzlich haben Sie erneut nach dem Essen wieder die unerwünschten Reaktionen.

Übrigens finden Sie den Thunfisch und auch Schalentiere oft als stark histaminhaltig aufgeführt. In der Regel liegt das an der Fangart, Weiterverarbeitung und Lagerung. Sie sehen, vieles spricht in dem Fall für frische, eigene Zubereitung Ihres Essens.

Histaminintoleranz vs. Allergien

Oft gibt es auch Überschneidungen von Histaminintoleranz und echten Allergien. Sie hörten schon von den Histaminliberatoren wie Erdbeeren und Tomaten. Es kann also sein, dass Sie Symptome erleben, nachdem Sie ein große Portion Erdbeeren gegessen haben. Dies wird oft als Allergie empfunden, aber der Nachweis kann nicht erbracht werden. Sie reagierten dann auf die hohe Histaminfreisetzung nicht auf die Erdbeere. Bitte hören Sie dann unbedingt auf Ihren Körper nicht auf das Ergebnis des Prick-Testes.

Die Wichtigkeit des Darms

Ein großer Teil des Immunsystems ist im Darm lokalisiert, mit der Aufgabe, uns vor Eindringlingen wie Viren, Bakterien, Pilze, Gifte zu schützen und diese unschädlich zu machen. Zum Abwehrsystem gehören dabei die Mastzellen, die Granulozyten, sowie die B -+ T- Zellen.
Reizdarmpatienten haben besonders viele Mastzellen. Diese können verschiedene Stoffe freisetzen (je nachdem was die Abwehr verlangt). Eine der freizusetzenden Substanzen ist Histamin, das leider in seiner Wirkung nicht lokal bleibt, sondern sich schnell im ganzen System ausbreiten kann, was dazu führt, dass Sie die Symptome in der Nase, auf der Haut oder als Kopfschmerz erleben können.

Blockierung des Histaminabbaus

Wichtig zu wissen: auch verschiedene Schmerzmittel wie Opiate oder NSAR (wie Diclofenac und Ibuprofen) blockieren ebenfalls das histaminabbauende Enzym Diaminooxidase (DAO). Seit einiger Zeit gibt es ein Präparat aus dem Bereich der Nahrungsergänzung: DAOSIN. Dieses enthält Diaminooxidase, muss aber unbedingt vor dem Essen eingenommen werden und reicht auch nicht bei schweren Fällen.

Die Schulmedizin verordnet auch H1 und H2 Blocker (z.B: Ranitidin bei Reaktionen auf Kontrastmittel) oder H3 Blocker (gelten als Psychopharmaka.) Auf dieses Thema weiter einzugehen würde hier den Rahmen sprengen.

Was können Sie als Betroffene/r also selbst tun?

  • Vermeidung von DAO Blockern (Alkohol, Medikamente der oben beschriebenen Sorte)
  • Vermeidung von Nahrungsmitteln mit langer Reifezeit (Käse, Salami) oder fermentierter Substanzen(Sauerkraut)
  • Vermeidung von Lebensmittel mit histaminfreisetzender Wirkung (Erdbeeren, Tomaten, Ananas u.a.)
  • Vermeidung von Fertigprodukten (fast immer glutenhaltig und immer raffinierter deklariert)
  • So frisch wie möglich und selbst zubereiten (auf die Kühlkette achten)
  • Vermeidung von Gluten (aus Mehl) oder Kasein (aus Milchprodukten)

Ich persönlich halte es für das Beste in solchen Fällen den „Reset-Knopf“ zu drücken. Start mit einer therapeutisch begleiteten Darmsanierung, mit anschliessender Aufforstung der meist gestörten Darmflora mit Prä- und Probiotika. Zusätzliche Gabe von Vitalstoffen nach Abklärung bestehender Defizite, später mit frischer selbst zubereiteter Nahrung wieder einsteigen.

Wir beobachten, dass Menschen, die eine gute Vitalstoffversorgung haben und vollwertige Bionahrung zu sich nehmen, mit diesem Problem seltener behaftet sind.

 

Über den Autor:

Roman Gruber hat Dr. Alexander Loos auf diversen Mikronährstoff-Weiterbildungen immer wieder getroffen und sich mit ihm ausgetauscht. Er freut sich, dass Dr. Loos bereit war, diesen Gastartikel auf seinem Blog zu publizieren.

Dr. Loos ist Facharzt für Innere Medizin und führ in Frankfurt am Main eine eigene medizinische Praxis. Mit seiner 40jährigen Berufserfahrung überblickt er ein breites Spektrum sowohl der Schulmedizin, als auch in den Bereichen komplementärer Methoden.

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