Letzte Woche habe ich in meinem Newsletter gefragt, über welche Themen meine Leserinnen und Leser mehr erfahren möchten.

Und eine Frage war:

Ich würde gern etwas mehr über chronische Krankheiten und Ernährung aus deiner Sicht hören, evtl. mit Tipps, die man selbst schon umsetzen kann (leicht ;-)) – am liebsten ohne Nahrungsergänzung… 

Solche Fragen finde ich immer spannend, weil ich mich im Zuge unseres Online-Kurs Darmglück – In 6 Wochen zu einem guten Bauchgefühl genau damit . Denn chronische Beschwerden haben so gut wie immer mit dem Darm zu tun. Und in unserem dort geht es auch um einfache, umsetzbare Strategien

Als Erstes müssen wir vielleicht einmal klären, was ich unter chronischen Krankheiten verstehe.

 

Chronische Krankheiten: Welche gehören dazu?

Chronische Krankheiten sind Geschehen im Körper, die langfristig und andauernd da sind.

Es geht dabei um Beschwerden wie Asthma, Heuschnupfen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien ganz generell, Fibromyalgie, Migräne und alle Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, Lupus, Psoriasis, Multiple Sklerose, Parkinson, Morbus Crohn, Zöliakie oder Colitis Ulcerosa.

Jetzt sehen wir, dass unheimlich viele verschiedene Gesundheitsprobleme unter den Oberbegriff „Chronische Krankheiten“ fallen. Es sind Erkrankungen der Schilddrüse, des Darms, der Haut und der Atemwege dabei, und es fehlen da noch so einige Krankheiten, die ich nicht aufgezählt habe und die nochmals andere Regionen im Körper betreffen.

Kann es also sein, dass ich eine bestimmte Art der Ernährung empfehle, die für all diese unterschiedlichen Beschwerden gelten soll? Jeder Mensch ist doch anders, das betone ich selber ja auch immer wieder, dass Ernährung etwas Individuelles ist.

Und doch gibt es einen gemeinsamen Nenner all dieser Beschwerden. Oder eigentlich zwei.

 

Entzündung und Darm

 

Auch wenn es unter Umständen schwer zu glauben ist auf den ersten Blick: alle oben aufgezählten Krankheiten haben mit Entzündungen zu tun. Alle.

Und was sollte ich tun, wenn ich Entzündungen im Körper habe? Anti-entzündlich essen! Und meinen Darm in Ordnung bringen.

Denn Entzündungen haben ihren Ursprung ganz oft im Darm. Dort spüren wir sie zwar meistens nicht, weil die äussere Darmschicht keine Nerven hat, aber das macht das ganze ja nur noch gefährlicher, weil sich diese Entzündungen so leise und vorerst unbemerkt im Körper verteilen.

Aus diesem Grund werden sie auch stille Entzündungen genannt.

 

Kann das denn sein? Warum hat mir das denn sonst noch keiner gesagt?

Als Erstes ernte ich immer Skepsis, wenn ich sage, dass die Ernährung ein ganz grosser Bereich im Puzzlespiel der Gesundheit ist. Sie ist nicht nur ein einzelnes Puzzlestück, sondern schon ein ganzer Bereich, vielleicht vergleichbar mit den Eckstücken und dem Rand. Diese Teile müssen zuerst gelegt werden, bevor das ganze Innenleben erstellt wird.

Leider sind wir mit unserer Sichtweise immer noch die Minderheit, die Exoten, die darauf beharren, dass die Ernährung entscheidend ist, um chronische Krankheiten zu lindern, ja oft sogar komplett umzudrehen und zum Verschwinden zu bringen!

Warum sind wir so wenige? Weil Ernährung nicht „aufregend“ ist wahrscheinlich. Sie ist keine High-Tech-Medizin mit teuren Apparaten, hat nichts mit gewagten Operationen oder ausgetüftelten Wirkstoffen zu tun. Und sie ist nicht die Pille, die ich in 2 Sekunden geschluckt habe und die mein Leben ansonsten nicht tangiert.

Ernährung bedeutet einen gewissen Aufwand und bedingt oft auch eine Gewohnheits- und Lebensumstellung. Und somit ist sich nicht populär. Sie wäre zwar effizient – aber sie verlangt Selbstverantwortung und Eigeninitiative. Und das macht sie unbequem.

Immer wieder höre ich von Menschen „ich habe schon alles versucht, um meine Krankheit in den Griff zu bekommen.“ Und wenn ich dann nachfrage, wie sie sich ernähren, muss ich eindeutig feststellen, dass eben nicht „alles“ versucht wurde – die Ernährung, die Basis unseres Stoffwechsels, wurde überhaupt nicht mit einbezogen.

Wenn du die Ernährung noch nie wirklich ernsthaft und lange genug umgestellt hast, dann hast du nicht alles versucht!

Dann hast du sogar meiner Ansicht nach auch nicht dort angefangen, wo man logischerweise anfangen sollte: nämlich bei der Ernährung. Sie ist unsere Grundlage, alles was wir essen landet in unserem Blut und wird dort verteilt.

Das heisst, wir bestehen aus dem, was wir gegessen haben. Oder noch richtiger wäre: aus dem, was wir auch tatsächlich verdaut haben.

Und wenn ich dauernd Dinge esse, die Entzündungen begünstigen, dann kann ich nicht heilen, egal wieviele Medikamente ich einnehme.

Medikamente heilen sowieso nicht. Sie unterdrücken und machen das Leben erträglicher, weil Symptome verschwinden. Aber heilen tun sie nicht.

Unser Körper kann sich selber heilen, wenn wir ihn nicht andauernd neu belasten und wenn wir ihm die Nährstoffe geben, die er zum Reparieren braucht.

 

 

Also, welche Ernährung empfiehlst du bei chronischen Erkrankungen, Julia?

Ok, ok, du hast dich jetzt durch bisher fast 800 Wörter durchgekämpft, und immer noch habe ich dir keinen Ernährungstipp gegeben. Jetzt wird’s aber konkret!

Und weisst du was, eigentlich unterscheiden sich meine Ernährungstipps für Menschen mit chronischen Erkrankungen gar nicht so sehr von den Empfehlungen, die ich sowieso jedem gebe, nämlich:

  • Iss richtige, echte Nahrung und keine industriell hergestellten, nahrungsähnliche Substanzen
  • Trinke ausschliesslich Wasser und vielleicht ein wenig Kaffee oder Tee zusätzlich
  • Keine Fruchtsäfte und keine Zero Getränke oder andere künstlich gesüssten Produkte
  • Die Hälfte deines Tellers sollte aus Gemüse bestehen
  • Reduziere schnelle Kohlenhydrate und Zucker
  • Iss nur drei Mahlzeiten pro Tag und gib deinem Darm und deinen Verdauungsorganen genügend Zeit, sich zwischen den Mahlzeiten zu erholen
  • Verwende gute Fette und Öle

Doch spezifisch bei chronischen Erkrankungen kommen noch folgende Empfehlungen hinzu:

  • Iss mehr gekochtes Gemüse statt rohes Gemüse, weil es leichter verdaulich ist
  • Lieber nur zwei Portionen Obst pro Tag, wegen des Zuckeranteils
  • Verzichte zu 100 Prozent auf entzündungsförderliche Nahrungsmittel wie Weizen und Kuhmilch.
  • Verwende keine Öle die reich an Omega-6 Fettsäuren sind wie zum Beispiel Sonnenblumenöl
  • Achte darauf, dass du genügend Omega-3 Fettsäuren in Form von Kaltwasserfisch aber auch Omega-3 Öl zu dir nimmst, da dieses stark anti-entzündlich wirkt
  • Im Idealfall hast du auch eine Mikrobiomanalyse gemacht, die unter anderem darüber Auskunft gibt, ob du eine durchlässige Darmschleimhaut, erhöhtes Histamin oder zu wenig Butyratbildner hast (mehr dazu weiter unten)
  • Iss ganz besonders bewusst langsam und kaue gut
  • Verwende fermentierte Nahrungsmittel wie Sauerkraut, fermentierte Karotten, Kimchi oder trinke Kombucha
  • Koche dir Knochenbrühe oder kaufe sie schon fertig, bei einem vertrauenswürdigen Händler, denn Knochenbrühe hilft dir, deinen Darm wieder dicht zu machen

 

Was darf ich dann überhaupt noch essen?

 

Dies ist wohl die häufigste Frage, die ich gestellt bekomme! Die erste Reaktion darauf, wenn ich sage, du solltest keine Croissants, Brötchen, Fruchtjoghurt, Müsli oder Pizza essen ist ganz oft: Panik.

Deswegen freue ich mich, dir hier eine lange Liste zu präsentieren, mit Nahrungsmitteln, die du weiterhin essen darfst (wenn in diesem Zusammenhang von „dürfen“ überhaupt die Rede sein kann).

Als kleine Warnung sei hier noch gesagt: die nachfolgende Liste ist für Menschen gedacht, die noch keine Stuhlanalyse gemacht haben. Denn dort könnte auch herauskommen, dass du auf Dinge wie Tomaten, Auberginen, Avocado oder auch Nüsse für einen gewissen Zeitraum ebenfalls verzichten solltest. Das schmälert dann zwar die Liste, dafür gehen aber auch deine Beschwerden schneller weg respektive ist dein Erfolg sehr viel einfacher planbar.

Los geht’s jetzt aber mit der allgemeinen Liste:

Algen, Artischocken, Auberginen, Avocado, Blumenkohl, Broccoli, Chicorée, Endivien, Fenchel, Grüne Bohnen, Gurken, Karotten, Knoblauch, Kochbananen, diverse Kohlsorten, Kohlrabi, Kopfsalat, Kresse, diverse Kürbissorten, Lauch, Lattich (Römersalat), Löwenzahn, Mangold, Oliven, Pak Choy, Paprika, Pastinaken, Pilze, Rettich, Rosenkohl, Rote Beete, Rotkohl, Rucola, Sauerkraut, Schwarzwurzel, Sellerie, Spargel, Spinat, Sprossen, Süsskartoffeln, Tomaten, Topinambur, Yams, Zucchini, Zwiebeln

Und das waren nur die Gemüse-Sorten!

Hinzu kommen noch Nüsse und Samen (ausser Erdnüsse), Früchte, Fleisch aus artgerechter Weidehaltung (ausser Schwein), Wildfang-Fisch (ausser Meeresfrüchte), Eier, Hülsenfrüchte (ausser Soja), Kräuter…

Du siehst, die Liste wäre ewig lang, wenn ich da jetzt alles einzeln aufführen würde! Das heisst, auch mit einer chronischen Erkrankung gibt es ganz viel, was du essen kannst.

Einziger Wermutstropfen: du musst vor allem selber kochen oder Restaurants finden, die hochwertige Nahrungsmittel verwenden und ohne Zusatzstoffe kochen.

Womit wir beim nächsten Teil der Leserfragen wären: Tipps für eine leichte Umsetzung!

 

Planen ist die halbe Miete

Wenn wir selber die Ernährung umstellen, Roman und ich (ja, das machen wir ab und zu, um neue Dinge auszuprobieren!), dann schreibe ich eigentlich immer einen Wochenplan.

Denn dieser Plan ermöglicht mir, auch mal doppelte Menge zu kochen, damit ich Essen für zwei Mahlzeiten habe. Oder ich plane das gleiche Gemüse mehrmals in der Woche ein, dann kann ich Reste wieder verwenden. Ausserdem hilft das Planen beim Einkaufen, weil ich dann sehr gezielt einkaufe und weniger Zeit brauche.

Hier ein paar Ideen, für gesunde Mahlzeiten für Menschen mit chronischen Krankheiten:

Kokosporridge, Gemüse mit Räucherlachs, Rührei mit Apfel oder ein grüner Smoothie als Frühstück.
Kürbissuppe mit Kürbis- und Sonnenblumenkernen, Lachs mit Gemüse, Rote Beete Salat mit Nüssen, Blumenkohlsteak mit Hummus, Hähnchen mit Kokosöl und Koriander + Gemüse, Fleischbrühe mit Gemüse und Siedfleisch als Mittag- oder Abendessen.

Du siehst, es geht nicht darum, auf alles zu verzichten, was lecker ist, sondern du kannst dein Essen geniessen, „obwohl“ es gesund ist!

Und falls du jetzt denkst, das klingt alles doch etwas komplizierter, als dir lieb ist und du lieber fertige Menupläne und Rezepte hättest, falls du Unterstützung, Gruppenmotivation und Hintergrundinformationen möchtest, ja dann empfehle ich dir, an unserem Darmernährungskurs Darmglück – in 6 Wochen zu einem guten Bauchgefühl teilzunehmen.

 

Am liebsten ohne Nahrungsergänzung – oder: warum wir eine Stuhlanalyse empfehlen

Die letzte Bitte der Fragestellerin war ja: am liebsten ohne Nahrungsergänzung

Ich weiss, Nahrungsergänzung hat bei vielen Menschen einen negativen Beigeschmack. Sei es durch aggressive Werbung von Multilevel-Marketing Vertretern, durch überteuerte Produkte im Internet, oder auch durch die schiere Flut von (teils unseriösen) Produkten, mit denen der Markt überschwemmt wird.

Mir scheint manchmal, dass verschriebene Medikamente wie Cortisonsprays, Säureblocker oder Immunsuppressiva weniger kritisch hinterfragt werden, als Nahrungsergänzungsmittel. Das heisst jetzt nicht, dass ich gegen Medikamente bin. Sondern ich plädiere dafür, auch bei Medikamenten kritisch zu hinterfragen, was die Inhaltsstoffe, Nebenwirkungen und wirtschaftlichen Interessen dahinter sind.

Unserer Ansicht nach ist aber nichts Verwerfliches an Nahrungsergänzungsmitteln  – gerade im Bereich Darmsanierung und Darmfloraaufbau – wenn sie nach vorgängiger Diagnostik ausgesucht werden, und wenn die Produkte von hoher Qualität sind.

Die Analytik unserer Wahl nicht nur, aber auch bei chronischen Erkrankungen, ist eine molekulargenetische Stuhlanalyse, das Mikrobiom 2.0.

Diese Mikrobiomanalyse ist eine sehr umfassende Untersuchung und gibt unter anderem Aufschluss über den Zustand der Darmflora, den pH Wert im Darm, ob schädliche Bakterien vorhanden sind, ob vielleicht auch ein Candida- oder Schimmelpilz da ist, über den Zustand der Schleimhaut, ob genügend Butyratbildner vorhanden sind (was wichtig für die Entzündungshemmung ist), ob es Verdacht auf Unverträglichkeiten gibt und ob eventuell die Darmschleimhaut durchlässig ist oder zu viel Histamin im Stuhl ist, was sich dann sowohl auf unsere Ernährungsempfehlungen als auch auf die Empfehlungen von Nahrungsergänzungsmitteln auswirken würde.

 

 

Denn das ist der springende Punkt: Nahrungsergänzungsmittel machen dann Sinn, wenn man weiss, was man überhaupt unterstützen, fördern oder verhindern möchte!

Die Sache mit chronischen Erkrankungen ist die: der Zustand ist schon ziemlich weit fortgeschritten, sonst wäre die Erkrankung nicht chronisch. Das heisst, du leidest schon länger und die Entzündungen sind wahrscheinlich schon seit Jahren in deinem Körper.

Dies nur über die Ernährung und einen gesunden Lebensstil in den Griff zu bekommen und dabei von unter Umständen starken Medikamenten wegzukommen ist nicht komplett unmöglich, aber unwahrscheinlich. Und sehr langwierig.

Reparieren ist immer schwieriger als Vorbeugen. Wenn noch nichts Gravierendes passiert ist, dann ist gesunde Ernährung die beste Prävention. Wenn aber schon Schäden da sind, dann spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, mit reparierenden Nahrungsergänzungsmitteln wie hochwertige Probiotika, Omega-3 Fettsäuren, Präbiotika, Aminosäuren und eventuell fermentierten Getränken zu arbeiten.

Diese Mittel sind Hilfsmittel, die dich schneller und effizienter ans Ziel bringen – genau gleich wie du wenn du von Basel nach Hamburg gelangen möchtest, ja auch den Zug, das Auto oder das Flugzeug nehmen würdest, und nicht zu Fuss oder mit dem Fahrrad losziehen würdest.

Kommst du auch zu Fuss nach Hamburg? Vielleicht ja! Vielelicht aber auch nicht, weil du vorher entkräftet aufgibst, du vom Weg abkommst oder du dir unterwegs den Fuss vertrittst.

Was spricht also dagegen, bei einer entzündeten Darmschleimhaut L-Glutamin oder anti-entzündliche Probiotika zu nehmen, bei einem Butyratmangel Akazienfasern und bei einem zu hohen pH Wert im Darm ein fermentiertes Getränk zu trinken?

Solltest du immer noch nicht überzeugt sein, dann koche dir selber wenigstens Knochenbrühe, fermentiere rohes Gemüse wie Weisskohl oder Karotten und hole dir einen Kombucha-Pilz oder Kefir-Kügelchen, damit du dir deine eigene Nahrungsergänzung machst!

 

Nur noch kurz zum Schluss

Auch wenn dieser Artikel schon so lang geworden ist – ein paar Worte möchte ich noch sagen! Nämlich: Nicht nur Ernährung spielt eine Rolle, wenn du eine chronische Erkrankung heilen möchtest. Sondern es lohnt sich, auch Stress zu reduzieren, Beziehungen zu pflegen, Dinge zu tun, die dich erfüllen und dir Freude machen, dich auf deine Emotionen einzulassen oder dir Hilfe zu holen, um wieder mit dir selbst in Kontakt zu kommen.

Ich werde ganz bestimmt in unserem neuen Darmprogramm darauf eingehen und auch in Zukunft einmal einen Blogartikel zu diesem Thema schreiben, aber ich wollte es hier einfach nicht ganz unerwähnt lassen, weil es viel zu oft übersehen wird.

Wir nähren uns nicht nur mit Lebensmitteln – und Entzündungen können auch begünstigt werden durch Emotionen wie unterdrückte Wut, durch chronischen Stress oder toxische Beziehungen. Das wollte ich einfach noch loswerden!

 

 

Jetzt bin ich gespannt auf dein Feedback! Waren diese Tipps hilfreich für dich? Fehlt dir noch eine Information? Oder magst du erzählen, was bei dir besonders gut funktioniert hat, um gesundheitlich voranzukommen?

 

 

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