Da wir selber keine Kinder haben, sind Kinder-Ernährungsfragen immer ein zweischneidiges Schwert für uns. Zwar wissen wir schon einiges darüber, aber Eltern nehmen lieber Tipps von anderen Eltern entgegen. Deswegen haben wir uns gefreut, dass die TCM Ernährungsberaterin Katharina Ziegelbauer uns angeboten hat, einmal einen Artikel über das Thema zu schreiben! Wir übergeben gleich das Wort an Katharina:

Als ich vor fast 8 Jahren das erste Mal Mutter wurde, wusste ich überhaupt nicht, was da alles auf mich zukam.

Die unendliche Liebe zu diesem kleinen, perfekten Wesen traf mich wie ein Schlag (ein wundervoller Schlag 🙂 ).

Im Paket damit kam aber auch eine unendliche Verletzlichkeit und Angst. Was, wenn ich diesem Baby Schaden zufüge? Was, wenn ihm etwas passiert, was ich nicht verhindern kann?

Bei Elias ging es gleich damit los, dass er sehr zart war und nicht den Normzahlen der Tabellen vom Kinderarzt entsprach. Zufüttern stand im Raum!

Als frisch gebackene TCM-Ernährungsberaterin wusste ich aber, dass ich mein Kind unbedingt voll stillen möchte, mindestens 6 Monate, was nach TCM einfach das Beste für Babys ist.

Also setzte ich mich (mit großen inneren Zweifeln) gegen den Kinderarzt und meine Hebamme durch und siehe da, Elias wurde trotzdem gesund groß. Und er ist immer noch von zarter Statur (ebenso wie seine Eltern).

Seit damals habe ich viele Mütter beraten und sehe vor allem eines, was mich wirklich schmerzt: Eine unglaubliche Verunsicherung durch Kinderärzte, Medien und Bücher, was das Thema „Ernährung“ von Babys und Kleinkindern betrifft.

Bekommt das Baby durchs Stillen ausreichend Milch (man kann es ja nicht in ml abmessen…)?

Schläft es besser durch, wenn es am Abend eine Fläschchenmilch bekommt? (manchmal ja, manchmal nein…)

Wann soll ich beginnen zuzufüttern, und was soll im ersten Brei drin sein?

Und was ist mit dem Eisen, braucht mein Baby Fleisch?

Genau diese Fragen zur Beikost möchte ich in diesem Artikel aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin betrachten. Und dazu beitragen, dass du in Fragen der Beikost entspannter wirst und dein Baby mehr genießen kannst.

Die 5 wichtigsten Tipps zur Beikost nach TCM:

 

1. Stelle die Freude am Essen in den Mittelpunkt und vergiss die strengen Regeln.

Wenn du dich schon im Internet zum Thema Beikost umgesehen hast, hast du sie sicher auch schon gesehen: strenge Pläne, mit wie vielen Monaten welcher Brei gegeben werden muss.

Milch-Getreidebrei ab 6 Monaten, Fleisch-Gemüsebrei ab 7 Monaten, und am besten noch in Gramm genau abgewogen, damit du ja nichts falsch machst.

Das ist ja wie in der Schule oder beim Militär!

Diese Regeln machen vor allem eines: viel Druck. Stress entsteht und die Verunsicherung wächst. Beruhend auf der Angst, etwas falsch zu machen. Diese Angst überträgt sich auf unsere Babys, die ja alles mitbekommen, was wir so fühlen und denken.

Was auf der Strecke bleibt, ist die Freude, der Spaß, mit dem Baby das Essen kennen zu lernen. Das ist so schade! Nach TCM sind diese Pläne überhaupt nicht notwendig. Das Einzige, woran du dich halten brauchst, ist diese Regel:

Vertraue den Signalen deines Babys.

Dein Baby wird dir zeigen, wann es bereit ist, mit der Beikost anzufangen. Es schaut begehrlich auf deinen Teller oder jauchzt, wenn es dich essen sieht. Und es wird dir zeigen, was es essen will und wie viel es davon essen will.

Babys haben noch ein sehr gutes Gespür dafür, was sie brauchen. Vertrauen wir darauf!

Mit welcher Mahlzeit du dann anfängst, ist nebensächlich. Hauptsache du bist entspannt dabei und hast die Geduld und Freude, die dein Baby braucht. Wenn du also in der Früh immer viel Stress hast, dann beginne lieber mit der Mittags- oder Abendmahlzeit.

Du kannst mit einer Gemüseart anfangen, z.B. dem beliebten Karottenbrei. Oder auch mit einem Hirsebrei mit Apfel. Schau einfach, was deinem Baby schmeckt!

Mehr Infos dazu findest du in diesem Artikel: Welche Zutaten in Babys erstem Brei – Gemüse, Getreide, Obst? 9 TCM-Tipps

Solange du übrigens stillst, brauchst du dir über die Nährstoffe keine Gedanken zu machen. In der Muttermilch ist alles drin, was dein Baby braucht, genau abgestimmt auf die jeweilige Entwicklung. Übrigens gilt das auch – mit leichten Einschränkungen – für Fläschchenmilch.

 

2. Gib deinem Baby vor allem gekochte Nahrungsmittel.

Ein Brot zum Frühstück, eine Banane als Nachmittagssnack? Und dazwischen ein Fruchtjogurt?

Diese Art der Ernährung erzeugt nach TCM früher oder später innere Kälte im Körper, kann die Lunge verschleimen und die Verdauung schwächen. Besser ist gekochtes Essen, wie Suppen, Getreidebreie, Kompott, Kartoffeln…

Die Verdauung funktioniert nach TCM mit Wärme, und zu viel kaltes Essen schwächt unser Verdauungsfeuer.

Deshalb: Meide zu viel Rohkost. Meide zu viel kaltes Essen wie Jogurt und Fruchtsäfte. Gib Brotmahlzeiten nicht täglich. Vor allem Bananen, Südfrüchte (Orangen, Ananas…), rohe Tomaten und Gurke kühlen nach TCM sehr stark und sind schwer bekömmlich.

Sie erzeugen im Übermaß pathogene Feuchtigkeit und Schleim im Körper, was man z.B. an häufigem Schnupfen, Ohrenentzündungen und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und breiigem Stuhl merkt.

Das bedeutet nicht, dass du diese Nahrungsmittel total vermeiden musst. In der TCM-Ernährung gibt es keine Verbote. Achte einfach darauf, dass die gekochten Speisen in der Überzahl sind.

 

3. Gib deinem Baby von Beginn an ein gekochtes Frühstück.

Ein gekochtes Frühstück gibt uns Energie für den Tag, regt unser Verdauungsfeuer an und stärkt das Immunsystem. Es ist eine sehr wichtige Säule in der TCM-Ernährung, eben durch seine vielen günstigen Wirkungen.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere.

Wenn dein Baby von Beginn an das gekochte Frühstück kennt, kommt es auch später nicht auf die Idee, lieber ein Brot essen zu wollen.

Ein Tipp: Iss das gekochte Frühstück mit deinem Kind mit, es tut auch uns Erwachsenen sehr gut. Und dein Baby will das essen, was du isst (je älter es wird, desto mehr). Diese Vorbildwirkung kannst du ausnutzen.

Meine Kinder sind heute 4 und 7 Jahre alt und lieben immer noch ihren Grießbrei oder die süße Polenta am Morgen.

Je älter die Kinder werden, desto mehr essen sie auswärts: Jause, Mittagessen und vielleicht noch eine Nachmittagsjause im Kindergarten und dann in der Schule.

Das Frühstück ist die Mahlzeit, die wir als Eltern noch am stärksten unter Kontrolle haben! Nutzen wir diese Gelegenheit, unseren Kindern ein nährstoffreiches, bekömmliches Essen zu geben, damit sie eine gute Basis für den Rest-Tag haben.

Hier findest du 10 Ideen für gekochte Frühstücksrezepte für Babys und Kleinkinder.

 

4. Gewöhne dein Baby an Wasser als Hauptgetränk.

Biete deinem Baby von Beginn der Beikost an immer Wasser dazu an, lauwarm und die ersten Monate noch abgekocht.

Mache dir keine Sorgen, wenn es am Anfang noch nichts oder nur sehr wenig davon trinkt. Es bekommt ja noch genug Flüssigkeit durch das Stillen bzw. die Fläschchennahrung.

„Mein Kind trinkt einfach kein Wasser, deshalb gebe ich ihm Saft.“

Das Problem bei Saft ist, dass er kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel ist. Unser Körper braucht aber pures Wasser, da er selbst zu einem großen Teil daraus besteht. Saft kann Wasser nicht ersetzen.

Trinken ist Gewohnheit, und Kinder können auch von Saft wieder entwöhnt werden und an Wasser gewöhnt werden. Es ist nur viel schwieriger, als wenn sie von Beginn an Wasser trinken. Bleibe beim Wasser und vertraue darauf, dass kein Kind vor vollem Glas verdurstet.

Fruchtsaft wirkt außerdem stark befeuchtend und ist damit schwer verdaubar. Besonders unbekömmlich ist laut TCM der Orangensaft.

Und was ist mit dem beliebten Fencheltee?

Der hat eine medizinische Wirkung, wie alle Kräutertees. Diese ist besonders bei Babys noch stärker als bei uns Erwachsenen. Fencheltee ist gut bei Blähungen oder allgemein Bauchweh. Täglich getrunken ist er jedoch zu intensiv und kann zu unerwünschten Wirkungen führen.

Dasselbe gilt für Kamillentee und andere Kräutertees. Gib sie deinem Baby bei Bedarf, aber nicht täglich. Und mache den Tee immer mit weniger Kräutern als bei Erwachsenen.

Meine Kinder bekommen z.B. Kamillentee bei Fieber, weil er abkühlend und entzündungshemmend wirkt.

Früchtetee ab und zu ist ok, er gilt nach TCM aber als sauer und damit eher als schwer bekömmlich.

Kuhmilch? Ist in der TCM ein eigenes Thema. Quintessenz: Kuhmilch gilt als schwer bekömmlich, stark verschleimend und hat ein hohes Allergiepotenzial.

Mein Praxistipp zu Kuhmilch: Wenn du nicht darauf verzichten willst, gib deinem Kind unbedingt Biomilch, besser noch Ziegenmilch als Kuhmilch. Und dann nicht täglich und nur kleine Mengen..

 

5. Achte auf die Verdauung deines Babys.

Die Verdauung ist die Wurzel der Gesundheit. Wenn sie gut funktioniert, kann der Körper insgesamt gesund bleiben.

Nach TCM ist die Verdauung der Kinder erst mit ca. 6 Jahren voll entwickelt. Bis dahin sollten wir ihnen vorwiegend leicht verdaubare Nahrungsmittel geben.

Beispiele:

Kohlgemüse, Zwiebel, Fleisch, Käse und Kuhmilch gelten nach TCM als schwer bekömmlich.

Karotten, Reis, Kartoffel, Hirse, Haferflocken, Kürbis gelten als leicht bekömmlich.

Gekochte Mahlzeiten gelten als bekömmlicher als ungekochte Mahlzeiten.

Wie merkst du, ob dein Baby die Mahlzeiten gut verdaut?

Achte auf Zeichen wie Blähungen, vor allem stinkende Blähungen. Daran merkt man besonders bei den Kleinen noch sehr gut, wenn sie etwas nicht gut vertragen.

Lasse das verdächtige Nahrungsmittel dann eine Zeitlang weg und probiere es ein paar Monate später wieder.

Verstopfung, Schmerzen beim Stuhlgang, Durchfälle und häufiges Bauchweh sind andere Zeichen, dass dein Kind etwas nicht gut verträgt.

Du findest den Auslöser der Probleme schneller, wenn du deinem Baby einfache Mahlzeiten gibst. Also nicht 5 verschiedene Zutaten mischt, sondern 2-3. So werden die Mahlzeiten leichter bekömmlich und du kommst schneller darauf, was dein Kind verträgt.

Kinder brauchen nicht so viel Abwechslung, wie wir denken! Eine gewisse Monotonie in der Nahrungsauswahl stärkt die Verdauung und hilft bei Beschwerden.

 

Vielen Dank, dass du diesen Artikel gelesen hast! Ich hoffe, du kannst das Thema Beikost jetzt ein bisschen entspannter sehen. Vertraue auf dein Bauchgefühl und dein Baby, ihr zwei macht das genau richtig. 🙂

Falls du Fragen dazu hast, freuen wir uns über deine Kommentare unter dem Artikel!

 


Über die Autorin
Katharina Ziegelbauer ist dipl. Ernährungsberaterin nach TCM und hat sich nach den Geburten ihrer Kinder auf die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Beikost und Kinderernährung spezialisiert. Dieses Wissen gibt sie in ihrem Onlinekurs „Mama-Relax-Paket“ weiter, mit dem Ziel, den Müttern die Zweifel und Sorgen zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie man entspannt und mit Freude gut für sich und seine Kinder sorgt. Auf Katharinas Blog www.ernaehrungsberatung-wien.at/blog findest du Rezepte, TCM-Tipps für verschiedene Beschwerden von Akne bis Kopfweh, Buchrezensionen und mehr.

 

 

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