Fehler beim Abnehmen

Fehler beim Abnehmen – Ja, sind wir denn in der Schule?

Vielleicht ärgert dich das Wort Fehler. Und ich spreche auch ungern von Fehlern. Aber in diesem Fall wollte ich einfach mal ein wenig drastisch formulieren, was ich so oft sehe, und was mich einfach traurig macht. Traurig deswegen, weil ich sehe, dass jemand sich Mühe gibt und am Ende frustriert aufgibt, weil’s nicht funktioniert.

Es erscheint mir verschwendete Lebenszeit. Und es leitet andere Menschen in die Irre, die dann sagen: „Siehst du, es bringt sowieso nichts. Also fange ich auch erst gar nicht an.“

Ich denke dann bei mir: „Wenn die Menschen doch nur ein paar grundlegende Dinge über Ernährung und Stoffwechsel wüssten, dann hätten sie nicht solche Mühe, abzunehmen.“

Hier kommen also die 3 Dinge, die ich als die grössten Fehler beim Abnehmen – oder eigentlich ganz generell bei der Umstellung auf eine gesunde und förderliche Ernährung – betrachte:

 

Fehler Nummer 1: Du verlässt dich auf deine Willenskraft

Immer wieder höre ich: Wenn ich mehr Disziplin hätte, dann würde das schon funktionieren mit dem Abnehmen.

Das ist ein Irrglaube.

Disziplin oder Willenskraft ist nicht unbegrenzt vorhanden. Willenskraft ist eine Art Kraftquelle in unserem Körper, ähnlich eines Handy Akkus. Wenn der Akku voll aufgeladen ist dann hilft mir die Willenskraft, die Dinge zu tun (oder nicht zu tun), die ich mir vorgenommen habe.

Und du weisst, was passiert, wenn du dein Handy übermässig benutzt und es zwischendrin nicht aufladen kannst: auf einmal blinkt das Akku-Zeichen wie wild und puff – aus ist das Handy.

Täglich triffst du Entscheidungen, die deine Willenskraft erfordern. Nein, ich nehme das Croissant nicht, das mir meine Kollegin anbietet. Ja, ich gehe über Mittag zum Sport, wie ich es mir vorgenommen hatte. Nein, ich widerstehe der Versuchung auf dem Weg zur Schule meiner Tochter noch eben am Kiosk anzuhalten und mir einen Schokoriegel zu holen.

Je mehr solcher Vorkommnisse im Laufe des Tages auftauchen, die deine Willenskraft erfordern, desto schneller leert sich der Akku. Aber auch ganz normale Aktivitäten wie Entscheidungen treffen, Aufgaben erledigen und fokussiert bleiben, oder negative Gefühle wie Angst und Überforderung, zehren am Akku-Vorrat.

Schlafen lädt unseren Willenskraft-Akku wieder auf – deswegen haben wir morgens oft mehr Willenskraft als abends! Wird dir jetzt klar, warum du besonders um 20.30 Uhr vor dem Fernseher auf einmal nicht mehr widerstehen kannst, obwohl du den ganzen Tag so tapfer durchgehalten hast?

Was übrigens noch erschwerend hinzu kommt und den Akku innerhalb von kürzester Zeit komplett leert ist, wenn dein Blutzucker im Keller ist. Dann verschwindet deine Willenskraft schneller als du gucken kannst.

 

Fehler Nummer 2: Du unterschätzt den Sucht-Faktor von raffinierten Lebensmitteln wie Zucker, Pasta oder Chips

Echte Nahrung, also Lebensmittel, die man so isst, wie sie gewachsen sind, haben so gut wie keine süchtig-machende Wirkung.

Aber Dinge wie weisser Zucker, Weissmehl, Reiswaffeln, Chips und so weiter, sind keine echte Nahrung mehr. Der Autor Michael Pollan bezeichnet diese als essbare, nahrungsähnliche Substanzen.

Und diese sind eben leer, haben nicht genügend Nährstoffe, sättigen uns nicht, aber schmecken „nach mehr“.

Es wurde bereits nachgewiesen, dass solche raffinierten Produkte die gleichen Gehirnareale anregen, wie Kokain. Wie eine Droge! Und auch Essen kann eine Art Droge sein, mit der du dich beruhigst, betäubst, besänftigst oder sogar ein wenig gleichgültig machst.

Deswegen macht es auch so viel Sinn, wenn du solche Produkte eben als Suchtmittel behandelst und komplett weglässt, wenn du abnehmen möchtest. Aber auch: dass du dich mit Dingen abseits der Ernährung befasst, die ebenfalls einen sehr grossen Einfluss auf dein Wohlbefinden haben.

Denn wenn du frustriert bei der Arbeit, unglücklich in der Beziehung oder wütend auf deine Eltern bist, dann wird es dir oft auch schwer fallen, dich nicht mit Essen (oder trinken) zu trösten.

 

Fehler Nummer 3: Du gehst die Sache zu zögerlich an

Egal, wo ich bin, einen Satz höre ich fast unweigerlich, wenn es ums Thema gesunde Ernährung geht. „Ich esse alles, Hauptsache ich übertreibe es nicht mit den Mengen.“

Und genau diese Einstellung wird oft beim Abnehmen auch eingesetzt. Du willst das Leben ja noch geniessen, auf nichts komplett verzichten, und so sehe ich oft, dass Menschen, die abnehmen wollen, den ganzen Tag nichts Süsses essen, abends dann aber doch das Stück Schokolade einfach „sein muss“. Oder morgens essen sie Brot und verzichten dann den ganzen Tag „auf Kohlenhydrate“ um abends dann doch ihr Glas Wein zu trinken.

Wenn dein Ziel wirklich abnehmen ist, dann empfehle ich dir, zumindest in den ersten 14 Tagen eine strikte Umstellung zu machen. Mit festen Regeln und ohne Ausnahmen.

Erstens erreichst du so eine Gewohnheitsumstellung viel leichter und du hältst dich auch viel eher an das, was du dir vorgenommen hast (siehe Fehler Nummer 1). Und zweitens erzielst du viel schneller Erfolge, somit ist deine Motivation höher und es macht viel mehr Spass. Und drittens ist die Chance sehr viel höher, dass du von deinem Suchtverhalten wegkommst.

 

Was sind die Folgen dieser Fehler?

Du kommst wieder ins alte Fahrwasser. Vielleicht schleichend, vielleicht aber auch sehr schnell.

Und mit jedem erneuten Versuch wird der Frust grösser, vielleicht auch die Enttäuschung über dich selber. Und dabei vergisst du, was ursprünglich eigentlich der Grund fürs Abnehmen gewesen ist.

Du wolltest dich leichter fühlen. Attraktiver. Und selbstbewusster. Genau das Gegenteil ist eingetroffen. Vielleicht denkst du dir sogar schon: „So langsam ist es mir eh auch egal. Es funktioniert ja sowieso nicht. Ich habe schon sooo viel probiert. Bleibe ich halt, wie ich bin.“

Und genau an dem Punkt möchte ich dich einladen, nicht aufzugeben!

Es gibt nämlich noch mehr Folgen, wenn du dich nicht um deine Ernährung kümmerst. Es geht nicht nur darum, sich schlank und attraktiv zu fühlen. Weitere Kosten einer nicht ausgewogenen, förderlichen Ernährung sind nämlich:

  • Chronische Müdigkeit. Und daraus resultierend: Fehleranfälligkeit. Was das unter Umständen bei deiner Arbeit oder auch im Strassenverkehr bedeuten könnte, brauch ich dir glaube ich nicht extra zu sagen.
  • Gesundheitsprobleme. Allergien, Verdauungsprobleme, Stimmungsschwankungen, Schilddrüsenerkrankungen, entzündliche Prozesse, Schmerzen, Autoimmunerkrankungen und vieles mehr sind direkte Folgen der Ernährung. Klingt das weit hergeholt für dich? Dann überlege dir einmal: alles, was du isst, gelangt in dein Blut. Wird im Körper verteilt. Wir eingebaut oder umgewandelt. Du bestehst aus dem, was du gegessen hast.
  • Finanzielle Folgen. Du kaufst dir Fitnessabos, die du nicht ausnutzt, gibst Geld für Therapeuten oder Ärzte aus, kaufst unnötige Shakes und Produkte oder verlierst irgendwann sogar deinen Job, weil du nicht fit bist.
  • Beziehungsprobleme. Du bist schlecht gelaunt, gereizt, frustriert. Das wirkt sich unweigerlich auch auf deine Partnerschaft, deine Kinder und andere Familienmitglieder aus. Streit, Auseinanderleben oder sogar Trennung können die Folgen sein.
  • Verminderte Lebensqualität. Ungünstige Ernährung verringert Stresstoleranz, fördert Aggressivität und macht dich ganz allgemein unfrei, denn du handelst oft nicht mehr selbstbestimmt (siehe Fehler Nummer 2). Ausserdem ist es dir bestimmt auch klar, dass jedes Gesundheitsproblem, das du hast, auch dein Wohlbefinden mindert. Wir sind nicht dafür gemacht, um müde, krank, traurig oder unter Schmerzen leidend durchs Leben gehen müssen.

 

Bestimmt kommen dir noch mehr mögliche Folgen in den Sinn. Denke einfach einmal darüber nach, was es für dich persönlich bedeuten würde, wenn du dich nicht um deine Ernährung kümmerst.

Ich gebe zu, das war jetzt ein etwas düsterer Tonfall, aber ich bin es Leid, dass dir kaum eine Autoritätsperson (Lehrer, Ärzte, Künstler, Politiker und wen wir sonst noch so haben) jemals ehrlich ins Gesicht sagt, dass du dir schadest mit ungünstiger Ernährung.

Es wird verharmlost wo du nur hinschaust. Aber dass wir als Gesellschaft immer kränker werden – woran soll das denn liegen, wenn nicht auch an der degenerierten Ernährung unserer Zeit?

Aber bevor wir jetzt Trübsal blasen, komme ich natürlich auch schon mit der Lösung um die Ecke: Du machst einfach die obigen 3 Fehler nicht mehr 🙂

Was du jetzt konkret tun kannst

Um nicht immer deinen Willenskraft-Akku überzustrapazieren empfehle ich dir, klare Regeln aufzustellen und dir im Idealfall auch einen Mahlzeitenplan zu schreiben. Denn, wenn du weisst, was du zu tun hast, wirst du dich nicht ständig fragen, ob du a) oder b) tun musst. Du weisst immer, wie’s weitergeht.

Um der Sucht nach Essen ihre Kraft zu entziehen empfehle ich dir, echte, vollwertige Lebensmittel zu dir zu nehmen. Gemüse, Nüsse, Fisch, Fleisch, Eier, Hülsenfrüchte, gute Fette. Das sind alles Nahrungsmittel, die dein Stoffwechsel kennt und die ihm erlauben, dir korrekte Signale zu senden. Lass raffinierte Produkte, Zucker, Süssigkeiten, Weissmehl und Fertigprodukte weg und trinke nur Wasser.

Und zu guter Letzt: schone dich nicht zu sehr am Anfang, sondern gehe es mit klaren Regeln an, ohne Ausnahmen.

 

Und jetzt interessiert uns natürlich: Was ist deine Erfahrung beim Abnehmen? Was war dein grösster Fehler? Und: was denkst du über den Einfluss von Ernährung auf deine Gesundheit? Schreib gerne einen Kommentar, wir freuen uns darüber!

 

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